6 Prozent weniger Investitionen in Österreich: Warum Betriebe wie Ardo abwandern
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Die Investitionen österreichischer Unternehmen lagen 2026 inflationsbereinigt um 6 % unter dem Niveau von 2019. Das geht aus einer Auswertung von Agenda Austria hervor. Gleichzeitig verliert das Tiefkühlwerk Ardo im niederösterreichischen Groß-Enzersdorf seinen Produktionsstandort.
Ardo Austria Frost GmbH stellt die Gemüseproduktion am Standort bis Dezember 2026 ein. Damit verlieren 190 Beschäftigte in Stammposition sowie 50 Leiharbeitskräfte ihren Arbeitsplatz. Ab August 2027 konzentriert sich Ardo in Österreich nur noch auf den Vertrieb, der von einem noch nicht feststehenden neuen Standort in der Region Wien aus organisiert werden soll. Gemüse liefert das Unternehmen künftig aus anderen Werken.
Der Vergleich mit Nachbarländern
Während Österreichs Unternehmensinvestitionen schrumpften, legten sie in Frankreich im selben Zeitraum um 7 % zu. In Schweden stiegen sie um 22 %, in Italien sogar um fast ein Drittel. Österreich bildet damit im europäischen Vergleich das Schlusslicht unter den genannten Ländern.
Als Grund für das Ende der Produktion in Groß-Enzersdorf nennt Ardo den technischen Zustand der Anlage: Produktion, Verpackung, Lagerhaltung und Versorgungseinrichtungen hätten nach Angaben des Unternehmens umfangreiche Investitionen erfordert.
Die Entfernung zum westeuropäischen Markt und die geringere Kostenwettbewerbsfähigkeit gegenüber mittel- und osteuropäischen Standorten machten den Standort nach Einschätzung des Unternehmens nur für den heimischen Markt wirtschaftlich vertretbar – ein zu kleiner Markt, um die nötigen Investitionen zu rechtfertigen.
Die Ursachen
Österreich zählte 2024 insgesamt 134 verschiedene Steuern und Abgaben, wie Agenda Austria auflistet. Estland kam im selben Jahr mit 34 aus. Damit liegt Österreich beim Umfang von Steuern und Abgaben europaweit auf Platz vier.
Auch andere Unternehmen nennen hohe Steuern, Abgaben und Lohnnebenkosten als Grund für Standortverlagerungen. So zog Ryanair fünf seiner in Wien stationierten Maschinen ab, während Wizz Air seinen kompletten Flugbetrieb am Standort einstellte. Lenzing schließt einen Produktionsstandort in Heiligenkreuz, der Hersteller Eisbär verlagert Produktion nach Polen. Die AUA erwägt zudem, geplante Käufe neuer Langstreckenjets nicht zu tätigen.
Was das für Beschäftigte bedeutet
Ardo lehnt ein staatliches Hilfspaket für den Standort ab, mit der Begründung, dass es ein unrentables Werk nicht wettbewerbsfähig mache.
Mitarbeiter im Vertrieb und Vertriebsinnendienst sind von der Schließung ausgenommen.