880 Milliarden Euro Wertschöpfung bis 2045: Warum ein neues Tool über die Rendite der Kreislaufwirtschaft entscheidet
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Die Kreislaufwirtschaft könnte der deutschen Industrie bis 2045 zusätzliche Wertschöpfung von 880 Milliarden Euro bringen. Das geht aus einer im Mai 2026 veröffentlichten Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Boston Consulting Group hervor.
Damit viele Unternehmen diese Chance überhaupt nutzen können, hat das Wuppertal Institut nun ein Rechenwerkzeug vorgestellt, das die finanzielle Rentabilität von Kreislaufwirtschaftsmodellen von Beginn an sichtbar macht.
Woher die Zahl von 880 Milliarden Euro stammt
Die Prognose von 880 Milliarden Euro zusätzlicher Wertschöpfung stammt aus der Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Boston Consulting Group vom Mai 2026 und bezieht sich auf den Zeitraum bis 2045.
Sie zeigt, welches wirtschaftliche Potenzial in Modellen wie Reparatur, Wiederverwendung, Aufarbeitung und Recycling steckt, wenn Unternehmen sie konsequent umsetzen. Bislang fehlte vielen Betrieben jedoch ein verlässliches Mittel, um vorab zu prüfen, ob sich ein solcher Umstieg für das eigene Geschäft überhaupt rechnet.
Das Bundesministerium hat im Juni 2026 bereits reagiert
Bereits im Juni 2026 verabschiedete das Bundesministerium ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Das zeigt, dass die Zahl aus der Studie politisch ernst genommen wird. Während die Strategie den Rahmen für die gesamte Industrie setzt, bleibt die konkrete Entscheidung über ein Kreislaufwirtschaftsmodell jedoch bei den einzelnen Unternehmen – und genau dort setzt der neue Rechner an.
Warum sich Kreislaufwirtschaft schwerer berechnen lässt als klassische Geschäftsmodelle
Finanzielle Berechnungen für Kreislaufwirtschaftsmodelle sind deutlich komplexer als für lineare Geschäftsmodelle, da sie Rücklogistik und variable Rückgabequoten berücksichtigen müssen. Wer Produkte zurücknimmt, reparieren lässt oder vermietet, muss Schwankungen bei Rückläufen, zusätzliche Transportwege und wechselnde Betriebskosten einkalkulieren. Genau hier setzt der Circular Economy Business Case Calculator des Wuppertal Instituts an.
Der Rechner wurde im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts R-evolve entwickelt, das ursprünglich aus der Möbelindustrie stammt, aber gezielt branchenübergreifend einsetzbar ist.
Das Werkzeug ermöglicht es Unternehmen, verschiedene sogenannte R-Strategien wie Recycling, Reparatur, Wiederverwendung und Aufarbeitung direkt miteinander zu vergleichen. Dabei berücksichtigt das Tool sämtliche Einnahmen, Investitionen, laufenden Betriebskosten und Finanzierungskosten eines Modells.
Was Unternehmen von dem Tool erwarten können
Praktizierende Anwendungen des Rechners wurden bereits bei Unternehmenstests erfolgreich demonstriert, bevor das Werkzeug öffentlich zugänglich gemacht wurde.
Das Tool steht kostenlos auf der Plattform Zenodo zum Download bereit und unterliegt der Lizenz Creative Commons Attribution 4.0, sodass Nutzer es anpassen und weitergeben dürfen. Ergänzend stellt das Wuppertal Institut eine praktische Anleitung, ein Video-Tutorial und weitere Dokumentation zur Verfügung.
Für Unternehmen, die über den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft nachdenken, verringert das die Hürde, eine finanzielle Fehlentscheidung zu treffen. Statt pauschale Annahmen zu treffen, lassen sich Reparatur-, Vermietungs- oder Aufarbeitungsmodelle nun mit denselben Kennzahlen bewerten, die auch klassische lineare Geschäftsmodelle messbar machen.
Zusammenfassung in Zahlen
- Bis 2045 könnten der deutschen Industrie zusätzlich 880 Milliarden Euro Wertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft entstehen.
- Die zugrunde liegende Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie und der Boston Consulting Group erschien im Mai 2026.
- Das Bundesministerium verabschiedete im Juni 2026 ein Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie.
- Der Circular Economy Business Case Calculator des Wuppertal Instituts steht seit Oktober 2026 kostenlos zum Download bereit.