Der Durchschnitt täuscht vor allem dann, wenn einzelne sehr hohe Werte ihn nach oben ziehen. Die meisten liegen dann unter dem Durchschnitt, und genau das widerspricht dem, was das Wort im Alltag verspricht.
Eine Spitzenverdienerin hebt den Schnitt auf fast das Doppelte
In einer gedachten Firma verdienen neun Menschen je 3.000 Euro, die Chefin 30.000 Euro. Der Durchschnitt beträgt (9 × 3.000 + 30.000) ÷ 10 = 5.700 Euro. Niemand verdient auch nur annähernd diesen Betrag. Der Median, also der Wert genau in der Mitte der Reihe, liegt bei 3.000 Euro und bleibt dort, selbst wenn die Chefin 3 Millionen bekäme.
Das gilt auch für echte Daten. Das Statistische Bundesamt meldete für 2025 bei Vollzeitbeschäftigten in Deutschland einen Durchschnittsverdienst von 64.441 Euro brutto im Jahr und einen Median von 54.066 Euro. Der Abstand von rund 10.000 Euro entsteht, weil besonders hohe Verdienste den Durchschnitt nach oben ziehen. Das oberste Prozent lag bei 219.110 Euro oder mehr, das unterste Zehntel bei 33.828 Euro oder weniger.
Der häufige Irrtum: Die Hälfte liegt über dem Durchschnitt
Das gilt für den Median, nicht für den Durchschnitt. Wer bei einer Gehaltsmeldung denkt, er liege als Normalverdiener in der Mitte, vergleicht sich oft mit dem falschen Wert. Eurostat trennt die Begriffe sauber: Der Mittelwert ist die Summe geteilt durch die Anzahl, der Median der mittlere Wert einer Reihe. Ein Medienbericht nennt oft nur „im Schnitt“. Dann bleibt offen, welcher gemeint ist.
Vier Fälle, in denen Sie dem Schnitt misstrauen sollten
| Fall | Gedachtes Beispiel | Was passiert |
|---|---|---|
| Schiefe Verteilung | Einkommen, Vermögen, Wohnungspreise | Wenige Hohe ziehen den Wert nach oben |
| Zwei Gruppen in einer | Die Hälfte der Fahrten dauert 10, die andere 50 Minuten | Der Schnitt von 30 Minuten kommt nie vor |
| Schnitt aus Raten | Erst +100 %, dann −50 % | Mittelwert +25 %, tatsächlich: 100 → 200 → 100, also null |
| Kleine Fallzahl | Fünf Wohnungsverkäufe in einem Dorf | Ein einziges Haus verschiebt den Wert |
Der dritte Fall zeigt, warum Fachleute bei Wachstumsraten das geometrische Mittel verwenden. Eurostat führt neben dem arithmetischen auch das geometrische und das harmonische Mittel als eigene Formen auf. Für die Zahlen im Beispiel ergibt das geometrische Mittel 0 Prozent, was dem tatsächlichen Ergebnis entspricht.
Auch der Median hat seine blinden Flecken
Besser ist der Median nicht immer. Er bleibt unberührt, wenn sich die oberen 40 Prozent verdoppeln, selbst wenn das die Verteilung stark verändert. Bei Gesamtgrößen wie Steuereinnahmen oder Ausgaben ist der Durchschnitt die passende Größe, denn nur er lässt sich mit der Kopfzahl zur Summe zurückrechnen. Am aussagekräftigsten sind mehrere Kennzahlen zugleich: Mittelwert, Median und die Ränder der Verteilung, wie das Statistische Bundesamt sie in seiner Meldung nennt.
Stets gehört zur Zahl auch die Abgrenzung. Die genannten Verdienste beziehen sich auf Vollzeit und zählen Sonderzahlungen mit. Eine Meldung ohne Sonderzahlungen oder mit Teilzeit käme auf einen ganz anderen Wert, ohne dass eine von beiden falsch wäre.
Quellen
- Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 113 vom 1. April 2026: Median, Durchschnitt und Ränder der Vollzeitverdienste 2025
- Eurostat, Glossar Mean: Definition, Formen des Mittelwerts, Median
Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.