Zum Inhalt springen
Startseite Erklärt Warum schwanken Strompreise an der Börse?

Warum schwanken Strompreise an der Börse?

An der Börse setzt meist das teuerste gerade benötigte Kraftwerk den Preis. Weil Wind und Sonne schwanken und Strom kaum speicherbar ist, ändert sich dieses Kraftwerk ständig. Bei viel Angebot und wenig Bedarf wird der Preis sogar negativ.

Der Börsenpreis ist der Schnittpunkt von Angebot und Nachfrage für einen bestimmten Zeitabschnitt, und in der Regel entspricht er den variablen Kosten des teuersten noch benötigten Kraftwerks. Da Wind, Sonne und Verbrauch sich laufend ändern, wechselt auch dieses Kraftwerk.

Das letzte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle

Am Markt kommen zuerst die Anlagen mit den geringsten variablen Kosten zum Zug, das nennt sich Merit-Order. Die letzte Anlage, die noch gebraucht wird, heißt Grenzkraftwerk. Ein Beispiel mit frei gewählten Zahlen und einem Bedarf von 60 Gigawatt:

Stunde Wind und Sonne Kohle Gas Letzte Anlage Preis
Windiger Mittag 65 GW 0 0 Wind oder Sonne nahe null oder darunter
Bewölkter Abend, mäßiger Wind 30 GW 20 GW 10 GW Gas z. B. 110 Euro/MWh

Am Abend erhält dann in diesem Modell jede Anlage den Preis des Gaskraftwerks, auch das Windrad. Deshalb können ein paar Gigawatt mehr oder weniger Wind den Preis stark verschieben, und steigende Brennstoffkosten des Grenzkraftwerks schlagen durch.

Warum der Preis sogar unter null fällt

Strom braucht immer sofort einen Abnehmer, damit das Netz stabil bleibt, und er lässt sich nur begrenzt speichern. Trifft viel unflexible Erzeugung auf wenig Bedarf, wird der Preis negativ. Besonders oft passiert das an Feiertagen wie Ostern und Pfingsten. Am Ostermontag 2019 lag er von 10 bis 18 Uhr im Schnitt bei minus 52,75 Euro je Megawattstunde. Händler bekamen also Geld dafür, Strom abzunehmen. Dass Anlagen trotzdem weiterlaufen, hat Gründe. Große fossile Kraftwerke abzuschalten und wieder anzufahren ist teuer, Heizkraftwerke müssen Wärme liefern, und viele ältere Wind- und Solaranlagen erhalten eine Marktprämie, die einen negativen Preis ausgleichen kann. Erst wenn er die Prämie aufzehrt, lohnt das Abschalten. Für Anlagen, die seit dem 25. Februar 2025 in Betrieb gingen, sinkt der Förderwert bei negativem Spotmarktpreis dagegen auf null, Ausnahmen gelten für kleine Anlagen.

Der häufige Irrtum: Die Börse ist Ihr Strompreis

Der Großhandelspreis ist nur der reine Beschaffungspreis. Ein negativer Börsenpreis heißt nicht, dass Ihr Stromversorger Ihnen automatisch etwas zahlt, denn der Endpreis enthält weitere Bestandteile, und was an Sie weitergegeben wird, hängt vom Vertrag ab. Außerdem läuft nur rund ein Fünftel des gesamten Handelsvolumens über die Strombörsen. Der Rest wird direkt zwischen Unternehmen vereinbart. Der Börsenpreis gilt trotzdem als Indikator für den Großhandel insgesamt.

Mehrere Märkte, mehrere Preise

Strom wird Jahre im Voraus auf dem Terminmarkt gehandelt, am Vortag im Day-Ahead-Handel und noch am selben Tag im Intraday-Handel. Die Preise unterscheiden sich teils deutlich. Auf dem kurzfristigen Markt steuern Händler nach, sobald sie Einspeisung und Verbrauch genauer abschätzen können. Terminpreise bieten dagegen Planungssicherheit. Eine Schlagzeile über „den“ Börsenpreis meint meist den Day-Ahead-Preis.

Warum Österreich anders liegen kann

Deutschland und Luxemburg bilden eine Gebotszone mit einheitlichem Börsenpreis. Österreich wird als eigene Region ausgewiesen. Die Day-Ahead-Märkte sind zwar gekoppelt und werden gemeinsam berechnet, identisch müssen die Preise deshalb aber nicht sein.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

Teilen

Das könnte Sie auch interessieren