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Warum sind bereinigte Gewinne mit Vorsicht zu lesen?

Beim bereinigten Gewinn entscheidet das Unternehmen weitgehend selbst, welche Kosten es herausrechnet. Kehren angeblich einmalige Posten jedes Jahr wieder, sieht das Ergebnis besser aus, als es ist.

Bereinigte Gewinne sind mit Vorsicht zu lesen, weil das Unternehmen weitgehend selbst festlegt, was es herausrechnet. Solche Zahlen können den Kern des Geschäfts besser zeigen, sie können ihn aber auch schöner erscheinen lassen.

Drei Jahre, dreimal 60: So verschwindet ein Abwärtstrend

Ein Unternehmen weist in jedem Jahr „einmalige“ Umbaukosten aus und rechnet sie aus dem Ergebnis heraus. Beträge in Millionen Euro:

Jahr Ergebnis laut Abschluss Herausgerechnete Umbaukosten Bereinigtes Ergebnis
1 40 20 60
2 35 25 60
3 30 30 60
Summe 105 75 180

In der bereinigten Zahl bleibt alles stabil, während das berichtete Ergebnis um ein Viertel fällt. 75 Millionen Euro echter Kosten sind in der Darstellung verschwunden. Das Geld ist trotzdem ausgegeben. Gerade darum geht es bei der Prüfung: Was einmalig genannt wird und jedes Jahr wiederkommt, gehört zum Geschäft.

Nicht das Gesetz definiert die Zahl, sondern das Unternehmen

Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA spricht von alternativen Leistungskennzahlen: finanzielle Größen, die der Rechnungslegungsstandard nicht festlegt und die meist durch Hinzurechnen oder Abziehen aus dem Abschluss entstehen. Als Beispiele nennt sie das Ergebnis vor einmaligen Belastungen, das EBITDA und das operative Ergebnis.

Weil es keine einheitliche Vorgabe gibt, können zwei Unternehmen unter demselben Namen Verschiedenes rechnen. Ein Vergleich „bereinigt gegen bereinigt“ führt also leicht in die Irre, wenn nicht klar ist, was jeweils herausgenommen wurde.

Was die Aufsicht von Unternehmen erwartet

Die ESMA-Leitlinien geben börsennotierten Emittenten Regeln mit, an denen Leser die Zahlen messen können:

  • Die Kennzahl muss definiert sein und einen aussagekräftigen Namen tragen, keine zu günstigen Bezeichnungen.
  • Sie ist auf den nächstliegenden Posten des Abschlusses überzuleiten, sodass sich jede Anpassung nachvollziehen lässt.
  • Sie darf nicht prominenter dargestellt werden als die Zahlen aus dem Abschluss.
  • Vergleichswerte der Vorperioden gehören dazu.
  • Posten dürfen nicht fälschlich als einmalig, selten oder ungewöhnlich bezeichnet werden. Was vergangene Perioden betraf und künftige betreffen wird, sei das selten, nennt die ESMA ausdrücklich am Beispiel von Umbaukosten und Wertminderungen.

Für das Beispiel oben heißt das: Die dritte Umbaurunde in Folge wäre als „einmalig“ schwer zu vertreten.

Der Irrtum: Bereinigt heißt getrickst

Die Zahl ist nicht von vornherein unseriös. Verkauft ein Unternehmen eine Sparte und bucht einen hohen Erlös, wäre das unbereinigte Ergebnis übertrieben gut, und die Bereinigung hilft. Auffällig wird es, wenn fast immer nur Belastungen entfernt werden und kaum je außerordentliche Erträge.

Vier Fragen helfen beim Lesen. Wie groß ist die Lücke zur Zahl im Abschluss? Wächst sie von Jahr zu Jahr? Wiederholen sich die Posten? Werden auch positive Sondereffekte abgezogen? Wer bei einer Meldung über „Gewinnplus“ eine dieser Antworten nicht findet, kann in der Überleitung im Geschäftsbericht nachsehen.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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