Die gefühlte Teuerung entsteht vor allem beim Einkauf, und dort ändern sich Preise besonders sichtbar. Die amtliche Rate misst dagegen den Durchschnitt aller Ausgaben aller Haushalte über genau zwölf Monate.
Was oft im Einkaufswagen liegt, prägt das Gefühl
Statistik Austria nennt das Muster klar: Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln, Treibstoff und im Restaurant bleiben stärker im Gedächtnis als beim seltenen Autokauf oder beim neuen Elektrogerät. Einen Indikator für gefühlte Inflation berechnet das Amt nicht. Es veröffentlicht aber zwei Ausschnitte aus dem Warenkorb: den Mikrowarenkorb mit rund 20 Positionen für den täglichen Einkauf und den Miniwarenkorb mit rund 60 Positionen für den wöchentlichen. Weil diese Güter sich zuvor überdurchschnittlich verteuert hatten, lagen beide laut dem Amt (Stand 2023) regelmäßig über der offiziellen Rate. Das Gefühl hat also einen messbaren Kern.
Ihr Warenkorb ist nicht der Durchschnittskorb
Die Gewichte spiegeln alle Haushalte zugleich: Mieter und Eigentümer, Autofahrer und Bahnfahrer, Raucher und Nichtraucher. Bei denselben Preisen kann deshalb für zwei Haushalte eine andere Rate herauskommen, wie die folgende Rechnung mit frei gewählten Werten zeigt.
| Posten | Preisanstieg | Anteil Durchschnitt | Anteil Beispielhaushalt |
|---|---|---|---|
| Lebensmittel | 5 % | 12 % | 20 % |
| Energie | 10 % | 6 % | 12 % |
| Alles andere | 2 % | 82 % | 68 % |
| Eigene Rate | 2,84 % | 3,56 % |
Keiner der beiden Werte ist falsch. Der Beispielhaushalt erlebt tatsächlich mehr Teuerung als der Durchschnitt. Destatis und Statistik Austria bieten dafür je einen persönlichen Inflationsrechner an, in dem Sie Ihre eigenen Ausgaben eintragen.
Die Rate schaut zwölf Monate zurück, die Erinnerung weiter
Wer sagt, der Einkauf koste viel mehr als früher, meint selten den Vorjahresmonat. Drei Jahre mit 5, 4 und 3 Prozent ergeben zusammen 12,5 Prozent, denn 1,05 mal 1,04 mal 1,03 sind rund 1,125. Im dritten Jahr meldet die Statistik 3 Prozent, im Geldbeutel fehlt die ganze Summe seit dem Start. Beide Aussagen stimmen zugleich.
Ausweichen zählt nicht als Ersparnis
Der Index vergleicht Gleiches mit Gleichem. Greifen Sie zur günstigeren Marke oder verschieben einen Kauf, erfasst er das nicht. Statistik Austria grenzt ihn deshalb von einem Lebenshaltungskostenindex ab, der solche Verhaltensänderungen abbilden würde. Hier wirkt der Effekt ausnahmsweise in die andere Richtung: Teurer werdende Produkte treiben den Index meist stärker als die tatsächlichen Lebenshaltungskosten. Wer ausweicht, gibt also vielleicht nicht mehr aus, kauft aber auch nicht mehr dasselbe. Auch das kann sich nach Teuerung anfühlen, obwohl es keine Preisstatistik zeigt.
Quellen
- Statistik Austria, FAQs zum VPI: persönliche Teuerung, gefühlte Inflation, Mikro- und Miniwarenkorb, Lebenshaltungskosten
- Destatis: Persönlicher Inflationsrechner
- Destatis, Verbraucherpreisindex und Inflationsrate: Definition und Gewichtung
Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.