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Warum führen Lieferengpässe zu höheren Preisen?

Knappe Vorprodukte werden teurer, und weil weniger hergestellt werden kann, verteilen sich die Fixkosten auf weniger Stück. Bei hoher Nachfrage lassen sich beide Mehrkosten leichter weitergeben.

Lieferengpässe verteuern Waren auf zwei Wegen: Das knappe Vorprodukt kostet mehr, und weil weniger hergestellt werden kann, verteilen sich die festen Kosten auf weniger Stück. Solange die Nachfrage das Angebot übersteigt, lassen sich diese Kosten leichter an die Kunden weitergeben.

Aus einem verdoppelten Bauteil werden 27,5 Prozent höhere Kosten

Ein Werk stellt 1.000 Stück im Monat her. Je Stück entfallen 20 Euro auf das Vorprodukt und 50 Euro auf andere veränderliche Kosten. Die festen Kosten für Halle, Maschinen und Verwaltung betragen 30.000 Euro. Dann verdoppelt sich der Preis des Vorprodukts, und weil es fehlt, schafft das Werk nur noch 800 Stück.

Kosten je Stück in Euro Normal (1.000 Stück) Engpass (800 Stück)
Vorprodukt 20,00 40,00
Andere veränderliche Kosten 50,00 50,00
Feste Kosten (30.000 Euro geteilt durch Stückzahl) 30,00 37,50
Summe 100,00 127,50

Das Stück kostet 27,5 Prozent mehr, obwohl das Vorprodukt nur ein Fünftel der Kosten ausmachte. 20 Euro stammen aus dem Einkauf, 7,50 Euro aus der geringeren Menge. Die Rechnung zeigt, warum eine Knappheit bei einem Bauteil den Endpreis stärker treffen kann, als sein Anteil vermuten lässt.

Die Kette läuft vom Erzeuger zum Verbraucher

Im Mai 2022 beschrieb die Deutsche Bundesbank diesen Weg: Der Krieg in der Ukraine und pandemiebedingte Lieferengpässe hätten die Erzeugerpreise für Konsumgüter und Nahrungsmittel stark steigen lassen, was die Waren auch für die Verbraucher verteuern dürfte. Zuvor hatte sie im Dezember 2021 ihre Inflationsprognose unter anderem wegen unerwartet gravierender Lieferengpässe angehoben. Sie nannte aber zugleich steigende Löhne und Energiepreise. Das ist die Regel: Solche Ursachen treten selten allein auf, weshalb sich der Anteil der Engpässe nicht einfach aus der Inflationsrate herauslesen lässt.

Volle Auftragsbücher machen die Weitergabe leichter

Damals war die Nachfrage nach Industriegütern laut Bundesbank weiter hoch, die Reichweite der Auftragsbestände lag auf Rekordniveau. In einer solchen Lage konkurrieren Kunden um die vorhandene Menge, und wer unbedingt liefern lassen will, zahlt eher einen Aufschlag. Bei schwacher Nachfrage sieht es anders aus. Dort muss ein Hersteller höhere Kosten womöglich aus seiner Marge tragen. Ein Engpass allein führt also nicht automatisch zu gleich hohen Ladenpreisen.

Der Irrtum: Ist der Engpass vorbei, fallen die Preise wieder

Lockert sich die Knappheit, wird es zunächst leichter und der Preisanstieg lässt nach. Das heißt nicht, dass das frühere Preisniveau zurückkehrt. Sinkt die Inflation, steigen die Preise nur langsamer. Im Beispiel fallen die festen Kosten je Stück zwar bei 1.000 Stück auf 30 Euro zurück, doch ob das Vorprodukt wieder 20 Euro kostet und der Hersteller den Vorteil weitergibt, ist offen. Inzwischen gestiegene Löhne bleiben ohnehin in der Rechnung.

Auch die Produktion erholt sich oft zeitversetzt. Die Bundesbank erwartete Ende 2021, dass die Industrie nach dem Ende der Engpässe durch Auf- und Nachholeffekte einen starken Schub erhält. Die Beispielrechnung hängt an keinem Land, die zitierten Befunde der Bundesbank beschreiben Deutschland.

Quellen

Stand: November 2026. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer-, Finanz- oder Rentenberatung im Einzelfall. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität.

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