1,36 Millionen mögliche Jobs für ältere Arbeitnehmer: Warum der Arbeitsmarkt sie kaum nutzt
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Laut einer Studie von Bertelsmann Stiftung und DIW aus dem Jahr 2024 könnten in Deutschland bis 2035 rund 1,36 Millionen zusätzliche Vollzeitstellen für ältere Arbeitnehmer entstehen. Trotz spürbaren Fachkräftemangels bleibt dieses Potenzial bislang kaum ausgeschöpft, denn Gesundheit, Arbeitsbedingungen und fehlende Anreize bremsen die Entwicklung.
Das Potenzial würde laut DIW etwa 1,5 Millionen Personen entsprechen, die zusätzlich oder länger arbeiten könnten. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Erwerbstätigenzahl der 55- bis 70-Jährigen bis 2035 wegen des demografischen Wandels ohnehin um rund 1,5 Millionen Personen sinkt und dann noch knapp 9 Millionen beträgt. Derzeit beziehen rund 6,1 Millionen Menschen dieser Altersgruppe bereits eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente.
Die Erwerbstätigenquote ist gestiegen – aber nicht überall gleich stark
Tatsächlich arbeiten schon heute deutlich mehr Ältere als früher. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts kletterte der Anteil erwerbstätiger 55- bis 64-Jähriger hierzulande binnen zehn Jahren von 66,2 % auf 75,3 %, verglichen mit dem Jahr 2015 gegenüber 2025. Der Abstand zur Erwerbstätigenquote aller 15- bis 64-Jährigen, die 2025 bei mehr als drei Vierteln lag, schrumpfte damit von rund neun auf etwa zwei Prozentpunkte.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei den 55- bis 64-Jährigen über dem EU-Durchschnitt von 66,4 %. Schweden und Tschechien kommen mit 78,3 % auf die höchsten Werte, Estland folgt mit etwa drei Vierteln und die Niederlande mit 75,8 %.
In Österreich zählen Personen ab 50 Jahren bereits über 30 % aller Beschäftigten, und die Beschäftigungsquote der Über-55-Jährigen ist 2025 gegenüber 2024 und 2022 weiter gestiegen, wie das Sozialministerium mitteilt.
Teilzeit, Arbeitslosigkeit und Gesundheit bremsen das Potenzial
Warum wird aus der steigenden Erwerbstätigenquote trotzdem kein größerer Beitrag gegen den Fachkräftemangel? Ein Grund liegt in verbreiteter Teilzeitarbeit: Hierzulande gehen derzeit 3,6 Millionen Beschäftigte im Alter von 55 bis 70 Jahren einer Teilzeittätigkeit nach, durchschnittlich mit lediglich 20,3 Stunden pro Woche.
Im EU-Durchschnitt liegt die Teilzeitquote der 55- bis 64-Jährigen mit 19,4 % ebenfalls über der Quote aller Erwerbstätigen von 17,7 %.
Hinzu kommt, dass die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt nach einem Jobverlust für Ältere demnach schwieriger wird. Die Arbeitslosenquote steigt mit zunehmendem Alter: Bei Männern ab 55 Jahren liegt sie bei 9,5 %, bei Frauen bei 7,2 %. Gesundheitlich wäre bei vielen durchaus noch Spielraum vorhanden, denn drei Viertel der Altersrentner ab 65 Jahren geben laut DIW-Studie an, gesundheitlich nicht eingeschränkt zu sein.
Was Fachleute für nötig halten
IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei betont, dass für mehr Beschäftigung Älterer drei Dinge zusammenkommen müssen: ein Können, ein Wollen und ein Dürfen. Hohe oder steigende Erwerbstätigenquoten seien laut Walwei kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis gezielter Maßnahmen.
Die Studie von Bertelsmann Stiftung und DIW nennt dafür finanzielle Anreize, arbeitsrechtliche Erleichterungen, altersgerechte Arbeitsplätze sowie mehr Gesundheitsvorsorge, Pflege- und Betreuungsangebote.
Einen entsprechenden politischen Vorstoß unternahm der Studie von 2024 zufolge die damalige Ampelkoalition: Sie plante eine sogenannte Rentenaufschubprämie, mit der Beschäftigte, die über das reguläre Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeiten, ihre erworbenen Rentenansprüche gebündelt als einmalige Zahlung erhalten sollten.
Walwei schätzte derart große Sprünge in so kurzer Zeit allerdings als eher unrealistisch ein. In Österreich wiederum wird wegen der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters für Frauen mit einer weiteren Erhöhung der Beschäftigung von Frauen ab 60 Jahren gerechnet mitteilt.
Die Zahlen im Überblick
- Von den 65- bis 69-Jährigen arbeiteten 2025 bereits 23,2 %, 2015 waren es erst 14,5 %.
- In Österreich machen Über-50-Jährige mehr als 30 % aller Beschäftigten aus.
Bild: Symbolbild, KI-erzeugt.