Ein Prozent BIP-Wachstum 2026: Warum Österreich hinter dem Euroraum zurückbleibt
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Das Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erwartet für 2026 ein reales Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von rund 1 %. Für 2027 rechnet das Institut mit einem ähnlichen Wert. Grundlage ist die Erholung nach der Rezession der Jahre 2023 und 2024, die demnach seit dem vierten Quartal 2024 anhält und sich bis ins erste Quartal 2026 fortsetzte.
Das BIP-Wachstum 2026 fiel bereits 2025 stärker aus als die Frühjahrsprognose vom April 2026 angenommen hatte. Für den gesamten Zeitraum von 2026 bis 2030 rechnet WIFO im Schnitt mit 1 % Wachstum pro Jahr. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2019 lag das durchschnittliche Trendwachstum bei 1,1 % jährlich.
Österreich bleibt hinter dem Euroraum zurück
Nach WIFO-Berechnungen liegt das reale BIP-Wachstum in Österreich zwischen 2026 und 2030 um 0,25 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt des Euroraums. Nach der Methodik der Europäischen Kommission beträgt die jährliche Trendwachstumsrate für Österreich nur drei Viertel Prozent.
Diese Lücke ist kein kurzfristiger Ausrutscher, sondern laut WIFO struktureller Natur. Die Wirtschaft erholt sich seit der Rezession 2023/2024 vergleichsweise schwach, während andere Euro-Länder schneller wieder auf Wachstumskurs kamen.
Energiepreise und Lohnkosten belasten die Exportindustrie
Als Hauptursache nennt WIFO zwei Faktoren: Energiepreise sind in Österreich stärker gestiegen als in anderen europäischen Ländern, ebenso die Lohnkosten je Arbeitseinheit. Beides hat der energieintensiven Exportindustrie einen spürbaren Wettbewerbsnachteil eingebracht.
Hinzu kommt demnach der Iran-Krieg, der zu höheren Energiepreisen, gestiegener Inflation und einer eingetrübten Stimmung bei Unternehmen und Konsumierenden geführt hat. Für 2026 prognostiziert das Institut eine Inflationsrate von 3,2 % im Jahresdurchschnitt, für 2027 einen Rückgang auf 2,4 %.
Damit liegt die Teuerung 2026 weiterhin über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank.
Was das für Jobs und Einkommen bedeutet
Für Beschäftigte zeigt die Prognose ein gemischtes Bild. Die Arbeitslosenquote soll 2026 bei 7,5 % liegen und 2027 leicht auf 7,3 % sinken; bis 2030 erwartet WIFO einen Rückgang auf knapp sechs von hundert Erwerbspersonen. Allerdings liegt dieser Rückgang vor allem am demografischen Wandel: Die Arbeitskräfteknappheit verschärft sich, was das mittelfristige Wachstum zusätzlich bremst.
Bei den Beschäftigtenzahlen rechnet WIFO für 2026 mit einem Plus von 0,5 % bei unselbständig aktiv Beschäftigten, für 2027 mit 0,7 %. Der private Konsum soll im gesamten Prognosezeitraum um durchschnittlich 1 % pro Jahr wachsen und damit eine der wichtigsten Stützen der Konjunktur bleiben. Bruttoanlageinvestitionen sollen 2026 um 1,3 % und 2027 um 1,8 % steigen, die Exporte legen 2026 nur gering zu, 2027 dann um 1,6 %.
Auf der Ausgabenseite des Staates bleibt die Lage angespannt: Die Defizitquote liegt demnach im Prognosezeitraum durchschnittlich bei 3,75 % des nominalen BIP. Für Haushalte bedeutet die Kombination aus moderatem Wachstum und noch hoher Inflation 2026, dass reale Einkommenszuwächse zunächst gering ausfallen dürften, auch wenn mehr Menschen in Beschäftigung kommen.