31 Prozent mehr KI-Investitionen: Warum Unternehmen den Nutzen nicht nachweisen können
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Die KI-Investitionen vieler Unternehmen sind im Vorjahr kräftig gewachsen: 79 % der Führungskräfte gaben an, ihre Ausgaben für künstliche Intelligenz erhöht zu haben, im Schnitt um 31 %.
Die Daten basieren auf einer Studie des Dienstleisters HTEC Global, im Zuge derer im Juli 2026 eine Befragung von 1.500 Managern aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Saudi-Arabien sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten durchgeführt wurde. Trotz des Geldflusses tun sich viele Firmen schwer, den Nutzen der Technologie zu belegen.
Woher die Zahl stammt
Laut HTEC Global geben 77 % der befragten Führungskräfte an, dass mittlerweile eher Menschen und Prozesse den Nutzen von KI begrenzen als die Technologie selbst. Nur 18 % nennen Kostensenkungen als wichtigstes Ergebnis ihres KI-Einsatzes. Wichtiger sind demnach verbesserte Entscheidungsfindung, höhere Produktivität, eine bessere Kundenerfahrung, mehr Innovation und eine schnellere Markteinführung neuer Produkte.
Der Vergleich zwischen den Branchen
Wie weit Unternehmen bei der Einführung von KI tatsächlich sind, unterscheidet sich stark nach Branche. Im Telekommunikationssektor haben es laut HTEC bereits 52 % der Unternehmen geschafft, etablierte KI-Initiativen in die Breite zu tragen, oder sie verstehen sich mittlerweile als vollständig KI-gestützt. Im Gesundheitswesen befinden sich dagegen 28 % noch in einer frühen Erkundungsphase.
Auch die Automobilindustrie zeigt ein gespaltenes Bild: Laut einer Untersuchung setzen 85 % der befragten deutschen Automobilunternehmen künstliche Intelligenz bereits in operativen Prozessen ein, etwa in Fahrassistenzsystemen, beim autonomen Fahren, in Connected-Car-Diensten, bei der vorausschauenden Wartung und in der Produktionsoptimierung.
Allerdings gibt lediglich etwa jede dritte Führungskraft an, dass sich KI bereits über mehrere Funktionen oder Produkte hinweg verbreitet hat. Der Rest nutzt die Technologie nur in einzelnen Anwendungsfällen, Pilotprojekten oder Tests ohne unternehmensweite Anbindung.
Woran die Skalierung scheitert
Nach den Studienergebnissen von HTEC Global herrscht in vielen Betrieben Nachholbedarf bei der internen Begleitung: Rund 27 % der Führungskräfte räumen ein, dass die Belegschaft bei der Aneignung und Nutzung von KI-Anwendungen weitgehend auf sich allein gestellt ist. Zudem fehlt einer breiten Mehrheit der Unternehmen eine systematische Kontrolle über die genauen Einsatzmuster ihrer Systeme. Diese mangelhafte Nachverfolgung führt bei knapp einem Viertel der Befragten zu unerwarteten Budgetsteigerungen. Ein ebenso großer Teil sieht sich durch die Implementierung in einer zunehmenden Abhängigkeit von externen Dienstleistern. Ein lückenloses und strategisches Risikomanagement über das gesamte Technologieportfolio hinweg haben bislang lediglich 14 % der Firmen etabliert.
In der deutschen Automobilwirtschaft identifizieren 55 % der Verantwortlichen eine unzureichende Abstimmung innerhalb der Führungsebene als größte Barriere für eine flächendeckende Einführung. Jeweils die Hälfte der Befragten nennt zudem die komplizierte Integration in bestehende Systemlandschaften, eine unklare Priorisierung der Funktionen sowie Zweifel an der tatsächlichen Rentabilität als Bremsklötze.
Die Hürden bei der Erfolgsmessung variieren je nach Sektor: Während in der Fertigungsindustrie fast ein Drittel der Manager an einer lückenhaften Datenbasis scheitert, fehlt es Automobilherstellern an standardisierten Messinstrumenten. Der Einzelhandel kämpft hingegen primär damit, positive Effekte eindeutig bestimmten KI-Maßnahmen zuzuordnen.
Was die Branche daraus macht
Technisch geben sich deutsche Autobauer optimistischer: 88 % der Führungskräfte kennen das Prinzip von Edge AI, und wer damit vertraut ist, traut sich auch zu, diese Technologien erfolgreich umzusetzen. Viele Unternehmen planen daher, intern entwickelte Lösungen künftig mit externen Plattformen und strategischen Partnerschaften zu kombinieren.
Der Erwartungsdruck ist groß: Zwei von drei deutschen Automobilunternehmen gehen davon aus, dass ein Scheitern bei der KI-Einführung sie wettbewerblich um ein bis drei Jahre zurückwerfen könnte, und 17 % befürchten sogar einen Rückstand von über drei Jahren.
Weniger als ein Viertel der Unternehmen hält sich selbst für fähig, künstliche Intelligenz schnell einzuführen und zu skalieren. HTEC Global kündigte an, weitere branchenspezifische Berichte zur KI-Wertrealisierung vorzulegen, die unter anderem Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Halbleiterindustrie und Versorgungswirtschaft abdecken sollen.
Zusammenfassung in Zahlen
- Ein Anteil von 79 % der Betriebe hat seine Budgets für KI-Initiativen im vergangenen Jahr um durchschnittlich 31 % hochgefahren.
- Eine Mehrheit von 77 % der Manager identifiziert interne Abläufe und menschliche Faktoren als größere Barrieren für den Erfolg als die Reife der Technologie selbst.
- Rund 27 % der Firmen überlassen es ihren Angestellten weitgehend selbst, sich den Umgang und die Integration von KI-Werkzeugen anzueignen.
- In der deutschen Automobilwirtschaft setzen zwar 85 % der Unternehmen KI im operativen Geschäft ein, doch lediglich bei 34 % ist diese bereits abteilungsübergreifend verknüpft.
- Exakt zwei Drittel (66 %) der Automobilmanager in Deutschland befürchten bei einem Misserfolg der KI-Transformation einen Markt- und Wettbewerbsrückstand von ein bis drei Jahren.