57 Prozent der Betriebe offen für Fachkräfte ohne Abschluss: Warum trotzdem kaum jemand aus Drittstaaten eingestellt wird
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Eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt eine deutliche Lücke zwischen Bereitschaft und Praxis: 57 Prozent der Betriebe in Deutschland wären bereit, Fachkräfte ohne Abschluss aus Drittstaaten einzustellen.
Tatsächlich getan haben das in den zwölf Monaten vor dem dritten Quartal 2025 jedoch nur 4 Prozent aller Betriebe. Die Daten stammen aus der jährlichen IAB-Stellenerhebung, für die rund 15.000 Betriebe und Verwaltungen aus sämtlichen Wirtschaftszweigen und Größenklassen befragt werden.
Unter den Betrieben, die aktiv nach Personal suchten, lag die Quote etwas höher: Hier rekrutierten 6 Prozent Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Die Lücke zwischen grundsätzlicher Offenheit und tatsächlicher Rekrutierung bleibt damit groß, selbst wenn Betriebe aktiv Personal suchen.
Große Betriebe rekrutieren deutlich häufiger als kleine
Die Betriebsgröße macht einen erheblichen Unterschied. Bei Betrieben mit weniger als 20 Beschäftigten haben lediglich 2 Prozent Arbeitskräfte aus Drittstaaten eingestellt. Mit wachsender Belegschaft steigt der Anteil deutlich: In Betrieben mit 50 bis 249 Mitarbeitenden lag er bei 12 Prozent, bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten bei 16 Prozent.
Die meisten Einstellungen aus Drittstaaten fanden nach Angaben des IAB im Gastgewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in Handel und Verkehr statt. Diese Branchen gelten seit Jahren als besonders stark vom Fachkräftemangel betroffen und greifen offenbar eher auf internationale Bewerber zurück als kleinere Betriebe anderer Branchen.
Woran die Rekrutierung aus Drittstaaten scheitert
Nach Angaben des IAB nennen Betriebe vor allem drei Gründe, warum sie nicht aus Drittstaaten rekrutieren: Sprachbarrieren, Ungewissheit über die tatsächliche Qualifikation von Bewerbern und die Zufriedenheit mit dem einheimischen Arbeitskräfteangebot. Betriebe, die bereits Erfahrung mit der Rekrutierung aus Drittstaaten gesammelt haben, berichten zusätzlich von behördlichen Hürden und Problemen bei der Anerkennung von Abschlüssen.
Bei der Bereitschaft zur Einstellung ohne anerkannten Abschluss unterscheiden die Betriebe genau: 24 Prozent würden Bewerber ohne Abschluss einstellen, wenn einschlägige Berufserfahrung vorliegt. 19 Prozent wären uneingeschränkt dazu bereit.
Weitere 7 von 100 Betrieben wären zur Einstellung bereit, sofern die jeweilige Tätigkeit ohnehin keinen formalen Abschluss voraussetzt, und 5 Prozent dann, wenn eine fehlende Anerkennung später nachgereicht werden kann. Seit 2023 wurde das Fachkräfteeinwanderungsrecht in mehreren Schritten angepasst, um genau solche Zugangshürden zu verringern.
Was Fachleute zur Umsetzung sagen
Damit zielt sie genau auf die beiden Hindernisse, die Betriebe am häufigsten nennen: Sprache und Unsicherheit über Qualifikationen.
Für Arbeitssuchende ohne anerkannten Abschluss bedeutet das: Die grundsätzliche Bereitschaft der Betriebe ist groß, doch die Umsetzung hängt stark davon ab, wie gut Sprachkenntnisse und Berufserfahrung vermittelt und nachgewiesen werden können.
Die Zahlen im Überblick
- 57 Prozent der Betriebe wären bereit, Fachkräfte aus Drittstaaten ohne anerkannten Abschluss einzustellen.
- 4 Prozent aller Betriebe haben dies in den letzten zwölf Monaten vor dem dritten Quartal 2025 tatsächlich getan.
- 16 Prozent der Großbetriebe mit 250 und mehr Beschäftigten rekrutierten aus Drittstaaten, gegenüber 2 Prozent der Kleinbetriebe.
- 24 Prozent der Betriebe setzen auf Berufserfahrung statt auf einen formalen Abschluss.
- 5 Prozent der Betriebe akzeptieren eine nachträgliche Anerkennung des Abschlusses.