60 bis 70 Euro im Jahr: Was die Stromsteuer-Senkung 2026 Haushalten wirklich bringt
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Die Stromsteuer-Senkung 2026 richtet sich in erster Linie an Unternehmen: Wer im produzierenden Gewerbe, in der Land- und Forstwirtschaft tätig ist oder ein Blockheizkraftwerk betreibt, bekommt künftig dauerhaft 2,00 Cent je Kilowattstunde zurückerstattet.
Damit erreicht die Erstattung den europäischen Mindeststeuersatz, während zuvor ein deutlich geringerer Betrag galt. Der reguläre Stromsteuersatz selbst bleibt für alle unverändert, ein Wert, der seit 2003 gilt.
Für private Haushalte ändert sich an der Stromsteuer also nichts. Sie machte 2025 rund 5,22 % des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises aus. Der Bund nahm damit 2024 rund 5,2 Milliarden Euro ein, in den Jahren davor waren es knapp 7 Milliarden Euro.
Wer profitiert
Rund 600.000 Unternehmen sollen von der Senkung profitieren, während laut Statistischem Bundesamt etwa 690.000 Betriebe im produzierenden Gewerbe arbeiten. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer schätzt jedoch, dass nur 15 % der Unternehmen in Deutschland tatsächlich davon profitieren, weil viele Branchen außerhalb von Produktion, Land- und Forstwirtschaft nicht berechtigt sind.
Der Verband Die Familienunternehmer wirft der Regierung deshalb Wortbruch vor, weil der Mittelstand ausgenommen bleibt; der Handelsverband HDE bezeichnet die Lage für Handelsunternehmen als existenzbedrohend.
Was Haushalte stattdessen bekommen
Statt einer Stromsteuer-Senkung sollen Haushalte über einen Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten entlastet werden. Die vier großen Übertragungsnetzbetreiber bekommen von 2026 an jedes Jahr 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds zugewiesen, über mehrere Jahre summiert sich das demnach auf 26 Milliarden Euro.
Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums sollen private Kunden um 1,3 bis 2,4 Cent je Kilowattstunde entlastet werden, woraus sich für einen Vier-Personen-Haushalt eine jährliche Ersparnis von 60 bis 70 Euro ergeben soll. Der Koalitionsvertrag hatte ursprünglich 5 Cent pro Kilowattstunde versprochen, Netzentgelte machen derzeit rund 28 % des Strompreises aus.
Rechenbeispiel
Rechnet man die angekündigte Entlastung von 1,3 bis 2,4 Cent je Kilowattstunde auf einen typischen Jahresverbrauch von rund 4.000 Kilowattstunden pro Vier-Personen-Haushalt um, ergibt sich eine Spanne von 52 bis 96 Euro im Jahr, was sich mit der Schätzung des Bundesfinanzministeriums von 60 bis 70 Euro weitgehend deckt.
Addiert man die bereits zum August 2025 abgeschaffte Gasspeicherumlage, die Haushalte laut Bundesregierung um etwa 50 Euro pro Jahr entlastet, kommen manche Haushalte auf eine Gesamtentlastung von bis zu 100 Euro, wie die Bundesregierung in Aussicht stellt. Eine Pflicht zur Weitergabe der Entlastung an Kunden besteht für Energieversorger allerdings nicht.
Regionale Unterschiede
Wie stark die Entlastung tatsächlich ankommt, hängt stark vom Wohnort ab. 357 regionale Anbieter wollen ihre Tarife zum Jahreswechsel 2026 im Schnitt um 8,7 % senken, wovon schätzungsweise 3,4 Millionen Haushalte in der Grundversorgung betroffen sind.
In Sachsen sinken die Grundversorgungspreise demnach um 8,5 %, was etwa 143 Euro pro Jahr spart, in Baden-Württemberg um rund 118 Euro pro Jahr. In Berlin und Hamburg wurden bislang keine Preissenkungen für 2026 angekündigt, und 17 Versorger kündigten sogar Erhöhungen von durchschnittlich 1,7 % an.